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Rundbrief III

Autor: Anja | Datum: 11 Juni 2015, 13:20 | 2 Kommentare

Dies ist die Textfassung meines dritten Rundbriefes!

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Unterstützer, liebe Interessierte,

dies ist mein dritter, offizieller Rundbrief. Viel Spaß und ein angenehmes Lesen!

Februar 2015

Es wurde heißer und heißer in den letzten beiden Februarwochen. Also, ungewöhnlich heiß, selbst für die Niasser. Zur kurzen Information: Die Südspitze Nias´ liegt nur zwölf Kilometer vom Äquator entfernt! Ich habe wieder einmal bemerkt, wie sehr das Wetter Stimmung und Arbeitsklima beeinflussen kann. Ist es in Deutschland zur Winterzeit meist so, dass Schneeschauer viele Verspätungen und das Novembergrau schlechte Laune zur Folge hat, haben auch die 35°-38° auf Nias ihre Spuren hinterlassen. Schon um sieben Uhr morgens war man in Schweiß gebadet, die Kinder in der Schule müde und unkonzentriert (von uns Erwachsenen will ich gar nicht erst reden) und der Mythos, bei heißem Wetter solle man doch Tee trinken, hat sich eher nicht bewahrheitet – eine eiskalte Cola war da doch beliebter! Rund dreimal täglich habe ich mir das kalte Wasser über den Kopf gekippt, genau wie die anderen Asramabewohner, was dann eine Wasserknappheit zur Folge hatte... Für alle, die eine Diät machen wollen: Hitze eignet sich dafür besonders gut! Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie scheint die Sonne den Appetit wegzubrennen und der Mittagsschlaf wird dafür gerne auf vier Stunden ausgedehnt :-D Wenn man denn schlafen kann...

Es war ein Februar der ganz anderen Art, mal etwas anderes als Schneematsch und klamme Finger!

März 2015

So lange habe ich mich darauf gefreut und dann auf einmal war es soweit: Das Zwischenseminar stand an! Anfang März stieg ich in Nias in den Flieger und landete in Surabaya/Java, knapp 3 Autostunden von Malang entfernt, wo unser Seminar stattfinden sollte. Das war ein freudiges Wiedersehen mit den anderen fünf Indonesienfreiwilligen, Erika, die Freiwillige in HongKong ist und Lena, einer Freiwilligen der Neu-Kirchener-Mission! Vom 02.-07. März haben wir uns mit Rhoda Gregorio und Matthias Börner über Kulturkonflikte, unserer eigenen Situation auf der Einsatzstelle, Freundschaften, Sensibilität und den eigenen Erfahrungen der letzten fünf Monate unterhalten. Zwischendurch gab es immer mal wieder Pausen, viel Gelächter und es war eine richtige Wohltat, wieder Deutsch sprechen und sich auch zwischen den Zeilen verstehen zu können. Als Highlight fuhren wir am Freitag zusammen in einen Hochseilgarten, wo auch ich meine Angst vor Höhe mal wieder bezwingen durfte – aber es war ein schönes Erlebnis. Das Zwischenseminar hat dazu beigetragen, Kraft zu tanken, sich über manche Dinge klar zu werden und sich zu freuen, dass wir irgendwie doch alle mehr oder weniger die gleichen Sorgen und oft die gleichen Ansichten haben!

Am 07. März war zwar das Seminar zu Ende, doch wir Indonesienfreiwilligen brachen am nächsten Tag zu unserem nächsten Abenteuer auf: Dem gemeinsamen Urlaub auf Bali!

„Nirgendwo bin ich planloser angekommen als auf Bali". Ich kann Elizabeth Gilbert, Autorin von „Eat Pray Love", da nur vollkommen zustimmen. Wir hatten den Flug gebucht – und sonst nichts. In Kuta am Flughafen haben wir uns erst einmal fröhlich in den Burger King (Burger!) gesetzt und geplant, wo wir denn überhaupt hin wollen. Unsere erste Anlaufstation war Kuta, zwei Tage später ging es dann weiter in die Künstlerstadt Ubud, in der wir den heiligen Affenwald besuchten. Während man in Kuta überall eher spärlich bekleidete Touristen und Fastfood-Ketten findet, fallen einem in Ubud die vielen Opferschalen vor den Haustüren, der Geruch nach Räucherstäbchen und kleine, individuelle Läden mit allerhand Taschen, Stoffen und Figuren ins Auge.

Die letzten fünf Tage unseres Urlaubs verbrachten wir in einem kleinen Häuschen in Amed, Nord-Ost Bali und haben die Tage damit verbracht, entweder am Strand oder am Pool zu liegen, die Vielfalt und Schönheit der Unterwasserwelt zu bewundern, nach einem japanischen Wrak zu schnorcheln und neue Bekanntschaften zu schließen. Diese Spontanität und das Entspannen, das gemeinsame Kochen und die abendlichen Besuche in kleinen Restaurants mit Live-Musik habe ich sehr genossen und viel zu schnell war der gemeinsame Urlaub dann wieder vorbei (nachdem wir auf der Rückfahrt noch den teuersten Kaffee der Welt probiert haben).

April 2015

Der April startete mit Ostern! Habe ich diesem Feiertag in Deutschland oft nicht die Bedeutung beigemessen, die ihm eigentlich gebührt, konnte ich diesmal jedoch Ostern in allen Facetten und in seinem Reichtum kennenlernen! Angefangen hat es mit der Passionswoche, der Woche vor Ostersonntag. Statt der üblichen Abendibadah haben die Asramaschüler ihren abendlichen Gottesdienst in einer Art Pavillon und sehr viel feierlicher abgehalten. Jeden Abend waren alle Schüler, Lehrer und oft auch Außenstehende eingeladen. Der gesamte Pavillon war mit Kerzen ausgestattet, wir saßen auf dem Boden und ich empfand es als eine sehr schöne und intensive Zeit. Hatte ich mir nach dem Seminar doch vorgestellt, ich würde mich nur schwerlich wieder einleben, hatte ich überhaupt nicht das Gefühl, im Gegenteil, ich kam mir integrierter vor denn je! Auch in der Schule lief alles sehr gut, durch meine verbesserten Indonesischkenntnisse fühlte ich mich im Umgang mit den Kindern viel sicherer und lockerer. So verging die Passionswoche, am Donnerstag feierten wir Abendmal (mit Fußwaschung) und Ostersonntag wurde der Gottesdienst um fünf Uhr morgens abgehalten. Ich kann wirklich sagen, das war das intensivste Ostern, das ich je erlebt habe!

Zwei Tage nach Ostern kam mein Geburtstag, der aber – wie ich schon erwartet hatte – nicht viel Aufmerksamkeit bekam. In Indonesien wird der Geburtstag eben nicht so hochgejubelt wie in Deutschland... Zu meinem Glück hat meine Nachbarin Ibu Grace am selben Tag Geburtstag wie ich und so waren wir zusammen essen und haben den Tag abends dann noch mit ein paar Schülern gemütlich ausklingen lassen. Auch wenn ich durchaus nichts dagegen habe, nächstes Jahr wieder mit meiner Familie zu feiern, kann ich wirklich nicht sagen, dass ich an diesem Tag alleine gewesen oder dass er nicht schön gewesen wäre!

Mein Geburtstagsgeschenk kam ganze acht Tage später und zwar in Form zweier großer Weißer, die schwitzend am Flughafen von Nias ankamen und voller Freude von ihrer Tochter (nämlich mir) begrüßt wurden. Meine Eltern!

Drei Tage verbrachten wir zusammen auf Nias, in meiner Welt – ruckelige Becakfahrten, Hitzewallungen, indonesische Mentalität kennen – und „Bule"-Rufe hassen lernen, Bekannte besuchen, der Ibadah im Asrama beiwohnen, sich das niassische Museum angucken, einen Tag nach Süd-Nias fahren und dort im indischen Ozean schwimmen und einfach die gemeinsame Zeit genießen. Nach drei Tagen ging es nach Sumatra, auf die Insel Samosir, die im Toba-See liegt... Also eine Insel in einem See, der in einer Insel liegt. Alles klar? ;-)

Gewohnt haben wir in einem tollen Hotel direkt am Toba-See, in der kleinen Hafenstadt Tuk-Tuk. Hafenstadt bedeutet übrigens, dass die Fähre überall dort anhält, wo Leute winkend am Ufer steht – ich finde diese Art von Wassertaxi ziemlich praktisch! Die gemeinsame Zeit war wirklich wunderschön und es kam mir vor wie zwei Stunden später, als ich sie dann am Flughafen in Medan verabschieden musste!

Der Abschied von meinen Eltern und die Zeit danach fiel mir schon bedeutend schwerer. Am ersten Tag wollte mir Indonesisch gar nicht über die Lippen kommen und wenn, dann sehr schwerfällig, so dass ich lieber auf Englisch zurück gegriffen habe. Meine Lust, nach Nias zurückzukehren, hielt sich sehr in Grenzen. Zurück auf Nias verging die erste Woche sehr langsam, neue Probleme bahnten sich auch noch an, die oft mit Kommunikation und den eben unterschiedlichen Kulturen zu tun hatten, außerdem war ich auf einmal wieder sehr genervt von der Aufmerksamkeit, in deren Zentrum immer ich stehe. Ich muss zugeben, in dieser Zeit schwebte mir das Wort „Zuhause" doch sehr präsent im Kopf herum... Das mit dem Indonesisch hat sich schon wieder geregelt, vor allen Dingen mit den Leuten aus der Schulkantine, die ich sehr gerne habe, fällt es mir doch leichter, mich zu unterhalten.

Mai 2015

Und lange Zeit, mir über den Abschied Gedanken zu machen, hatte ich auch nicht: Eine Woche später stand ich wieder am niassischen Flughafen (der aus einem Rollfeld und einer kleinen Halle besteht) und begrüßte Johanna, meine Mit-Freiwillige auf Papua. Das war wieder eine ganz andere Art von Besuch – ich musste kaum etwas erklären, da Johanna ja selbst schon seit sieben Monaten in Indonesien lebt. Wir haben unsere Zeit in Gunungsitoli verbracht, an meiner Stelle und auch oft Ibu Grace, meine Nachbarin, besucht. So gab es an einem Morgen sogar ein „deutsches" Frühstück von Johanna und mir für sie. Auch diese Zeit war sehr schön. Als Johanna am 09. Mai zurück nach Papua geflogen ist, ging es auch für mich weiter – zu meinem dreiwöchigen Praktikum in Teluk Dalam, Südnias. Aber dazu im nächsten Rundbrief mehr!

Neues aus der Schule

Dass ich in diesem Rundbrief nicht so viel über meine Arbeit in der Grundschule berichte, liegt daran, dass ich im März und April oft unterwegs war – auf Seminaren, im Urlaub oder es gab eine lange Zeit der Feiertage. Dennoch gefällt es mir in der Schule wirklich gut! Ein besonderes Highlight war das Völkerballspiel mit den 4. Klässlern. Dank einer Softballzusendung meines Bekannten hatten die Kinder und ich viel Spaß beim Spielen und ich war wieder einmal sehr überrascht davon, wie schnell und mühelos sie die Regeln verstanden und umgesetzt haben!

Das war mein Bericht der letzten drei Monate. Der nächste – und auch schon letzte – Rundbrief wird im August 2015 folgen.

Vielen Dank für all die Gedanken und guten Wünsche, die mich auf allen möglichen Wegen erreichen!!

Herzliche Grüße,

Anja

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