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Meine Zeit in Teluk Dalam

Autor: Anja | Datum: 11 Juni 2015, 12:39 | 0 Kommentare

Man könnte sagen, dass ich mit extrem gemischten Gefühlen in mein "Praktikum" im Süden von Nias gestartet bin.
Aber wie schon so oft - kam es ganz anders als gedacht!

Wo ging´s hin?

Nachdem Johanna fünf Tage bei mir auf Nias verbracht hatte, ging es für mich direkt nach Teluk Dalam, eine Stadt im Süden von Nias. Mein letztes "Live In" um Weihnachten herum war nicht so toll und somit hatte ich, ehrlich gesagt, nicht große Lust, drei Wochen ein weiteres "Live In" zu verleben.
Doch ich wurde positiv überrascht. Die Familie - bestehend aus einem Ehepaar, drei erwachsenen, nicht anwesenden Kindern und einem siebenjährigen Sohn plus Haushälterin - war wirklich sehr nett. Praktischerweise lag ihr Haus, in dem die Mutter auch ihre Apotheke betrieb, einen Steinwurf von der Kirche BNKP Yohanes entfernt, deren Aktivitäten ich die nächsten drei Wochen folgen sollte. 

Was lief so?

Eigentlich sollte ich in der SMP (Junior High) und in der SMK (Junior High mit theologischen Schwerpunkt) Englisch unterrichten, aber wie das in Indonesien so ist: Ohne einen offiziellen Brief läuft hier nichts. Drei Wochen warteten wir vergeblich auf diesen, aber ich habe trotzdem eine andere Beschäftigung gefunden: Ich war drei Wochen lang jeden Tag im TK Harapan Nias (Kindergarten "Hoffnung von Nias"), der zwar nicht der BNKP angehört, aber irgendwie war das für mich gerade reizvoll. Mal etwas anderes kennenlernen.

Die Betreiber vom TK Harapan Nias sind sehr erstaunliche Menschen. Ama und Ina Robin haben 20 Jahre in Kenia gelebt, 3 Jahre in Singapur und haben dann dort ihre mittlerweile schon erwachsenen Kinder zurückgelassen, um nach dem Erdbeben auf Nias im Jahre 2005 einen Kindergarten zu eröffnen. Um diesen dann auch noch zu einer SD (einer Grundschule) erweitern zu können, haben sie ihr Haus in Medan verkauft und damit immer genug Geld da ist, leben sie einfach über dem Kindergarten und nicht in ihrem eigenen Heim. Sie sind wirklich sehr nette und offene Menschen, die ein großes Herz und viel Selbstlosigkeit besitzen.

Jeden Morgen bin ich also auf mein geliehenes Fahrrad gestiegen und habe mich auf den Weg gemacht, ungefähr eineinhalb Kilometer bis zum Kindergarten. Meine armen, sonst so unbeanspruchten Waden haben sich schon nach 200 Metern bemerkbar gemacht und ich dachte mal wieder mit Grauen daran, dass ich zu Hause wieder mit Sport anfangen muss - praktisch bei Null :D 

Neben dem Kindergarten standen Aktivitäten in der Jugendgruppe der Gemeinde an. Jeden Mittwoch gab es einen Jugendworship. In diesen bin ich anfangs nicht so gerne gegangen. Ich war wieder einmal das vollkommene "Zirkustier", so kam ich mir jedenfalls vor, es ging nur um Fotos, Fotos, Fotos, meine Haut, Geld, ich sollte aufstehen, mich hinsetzen, wieder aufstehen, ein Lied singen und das alles begleitet von Gejohle und Gekicher. Mit dieser Art von Aufmerksamkeit komme ich immer noch nicht klar und ich (Entschuldigung) hasse es. Zum Glück hat sich das - bei den Meisten - nach einiger Zeit gelegt.

Vom Liedchen trällern bin ich nicht so wirklich weggekommen. Irgendwann habe ich mich dann überreden lassen, sonntags bei den "Singern" mitzuwirken, also vorne den Gottesdienst mit drei anderen Mädchen und einer Worshipleaderin die Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden, am Mikro zu begleiten. Und es hat total Spaß gemacht! Besonders die Proben dazu waren schön und es haben sich gute und auch lustige Gespräche ergeben.

Richtig toll fand ich das Programm des Pfarrers vor Ort. So oft hat er Leute zusammen getrommelt und dann sind wir zu traditionellen Dörfern gebrettert, dass mir Hören und Sehen verging und ich desöfteren Todesängste ausstehen musste :D Dafür habe ich so ziemlich jedes traditionelle süd-niassische Dorf besichtigen können und die Fahrten hinten auf dem Motorrad waren echt der Hammer. Es ging über Stock und Stein, an Windows-Bildschirmhintergrund-verdächtige Küstenlandschaften vorbei, durch den Dschungel, Berge hinauf - ich liebe diese Motorradfahrten über alles! (Wenn ich sie nicht gerade damit verbringe, um mein unbehelmtes Haupt zu bangen.)

Tschö!

Ihr seht - meine Zeit war echt schön und am Ende war ich traurig, wieder zurück nach Gunungsitoli zu kommen. Es mag komisch klingen, aber in diesen drei Wochen in Teluk Dalam habe ich irgendwie mehr soziale Kontakte geknüpft, als in sieben Monaten Gunungsitoli zuvor.
Ich maße mir nicht an, die Kultur der beiden Gegenden vollständig erfasst zu haben (dafür bräuchte man Jahrzehnte), aber wesentliche Unterschiede sind mir doch aufgefallen. Der Süden ist wärmer und offener, der Nord-Westen was kühler.
Beschreibt hoffentlich das Wesentliche ;)

Zurück in Gunungsitoli war ich dann aber auch froh. Froh, den Muezzin wieder zu hören, der mich immer noch begeistert und in den Schlaf wiegt (aufwecken tut er mich nicht mehr). Froh, mein so vertrautes, schon oft geflicktes Moskitonetz wieder über mir baumeln zu sehen. Weniger froh, dass mein Bett immer noch merkwürdig riecht (Grund bislang ungeklärt) und dass ich die Klimaanlage in Teluk Dalam lassen musste.
Aber vertraut ist es schon und das ist schön.

Sonstiges

Mittlerweile bin ich schon zwei Wochen wieder in Gunungsitoli. In der Schule werden gerade die Abschlussprüfungen geschrieben und sonst ist nicht wirklich was los. Alltag eben. Durch meine Zeit in Teluk Dalam hat mein Indonesisch einen großen Sprung gemacht. Auch wenn ich mich immer noch durch "Laskar Pelangi" (ein SUPER Buch - gibt´s auf Deutsch!), Kapitel 1 quäle und jedes zweite Wort nachschlagen muss, habe ich Fortschritte gemacht.


Bald gibt´s wieder was zu erzählen - bis dann, würde ich sagen!

 

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