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Frohe Ostern, Happy Birthday, Vorfreude

Autor: Anja | Datum: 14 April 2015, 07:26 | 0 Kommentare

Kapitel 6  Allerhand zu feiern! oder Ein paar kleine Eindrücke.

 


Ich habe keine Blusen mehr.
Mit diesem Gedanken stehe ich etwas ratlos vor meinem großen Schrank und betrachte die gähnende Leere. Natürlich liegt der gesamte Inhalt wie von mir gewohnt irgendwo im Zimmer herum, aber alles davon habe ich schon angezogen und morgen steht der große Ostergottesdienst an...

Die Passionswoche, die Woche vor Ostern, habe ich nirgendwo so intensiv erlebt wie in Indonesien. Klar, Ostern war schon etwas Besonderes (vor allen Dingen in Eier-such- Zeiten), aber so präsent war es für mich noch nie. Begonnen hat das ganze Spektakel am Montag. Jeden Abend hat das STT, die theologische Hochschule, auf dessen Campus ich lebe, eine Ibadah, einen Abendworship, veranstaltet. Wider Erwarten war das total schön und jeden Abend ein bisschen unterschiedlich. Bei Kerzenschein, in ruhiger Atmosphäre und meist unter freiem Himmel haben wir gesungen, manchmal ein Anspiel gesehen und einfach eine gemeinsame Zeit erlebt. An Gründonnerstag gab es dann das Abendmahl und die gegenseitige Fußwaschung.
Heute, am Samstagabend, war die letzte Abendibadah, morgen früh um fünf Uhr (!) beginnt der Ostergottesdienst. Obwohl ich mir dafür extra ein Kleid gekauft habe, wurde ich nun informiert, dass wir wieder feine Hosen und Bluse anziehen sollen... Es ist Abend, die Grillen jubilieren um die Wette und ich genieße noch die Atmosphäre, die ich aus dem mit Kerzenlicht durchfluteten Raum mitgenommen habe. Es gibt nur ein Problem.
Ich habe keine Blusen mehr.

Zwei Tage nach dem Ostergottesdienst kommt dann der Tag, der mir sonst immer so wichtig ist - mein Geburtstag! Am 07. April wache ich mit dem altbekannten Gefühl auf: Jetzt bin ich ein Jahr älter! Merkwürdig ist es, dass es kein Geburtstagsfrühstück gibt, keine Geschenke - hier wird der Geburtstag eben nicht so hochgejubelt wie in Deutschland! Außerdem muss ich mich ganz schnell beeilen, denn die Schule fängt bald an. Nach einem stinknormalen Schultag rase ich mit dem Becak in die Innenstadt, um im Reisebüro noch flugs das Flugticket für meine Eltern zu buchen und als ich wieder hinaus ins grelle Sonnenlicht trete, ertönt ein Hupen und in rasanter Geschwindigkeit hält ein vollbeladenes Becak vor mir. Es ist Ibu Grace mit Nuning und Nita und das Fantastische ist: Ibu Grace hat ebenfalls am 07. April Geburtstag! ;) Nach einem spontanen, lauten und von vielem Kichern begleiteten "Happy Birthday to us" Konzert, verabreden wir uns für den Abend und jede geht wieder gut gelaunt ihres Weges. Am Abend gehen wir zusammen Essen, sitzen danach noch in Ibu Graces Haus zusammen und genießen das Beisammensein.
Fazit: Nicht spektakulär - aber trotzdem schön!

Ich sitze vor dem abgeschlossenen Lehrerzimmer und schwitze. Eigentlich war das Meeting, an dem ich ja uuuunbedingt teilnehmen muss, für 3 Uhr angesetzt. Wir Lehrer sind größtenteils da, aber ein Vorsitzener der Foundation nicht und er lässt uns auch ganze zwei Stunden warten. Ich habe schlechte Laune, denn niassische Meetings dauern ewig. Gebete, Gesang, endlose Reden, grundlose Pausen, in denen einfach nichts geschieht... Darauf habe ich keine Lust und das Warten macht es nicht einfacher. Als er dann endlich auftaucht, geht das mir schon all zu bekannte Prozedere los. Alles formal, alles wie immer, bloß nicht vom Raster abweichen. Ich lese auf WhatsApp, dass meine Freundinnen einen Filmabend veranstalten. Meine Laune spaziert fröhlich weiter Richtung Keller. Zum ersten Mal frage ich mich ernsthaft: Warum bist du hier, während deine Freundinnen in Deutschland zusammen sind...? Wofür? Nach vier Stunden ist das Meeting endlich vorbei und ich rausche aus dem Lehrerzimmer, atme tief durch und gehe durch die Dämmerung nach Hause. Ein ganzer Tag verloren, für eine Sache, die man in Deutschland in 20 min erledigt hätte...

Es ist Sonntag, der 12. April. Die Direktorin hat mich gefragt, ob ich zu einer Schulveranstaltung komme. Irgendwie war ich die letzten drei Tage ziemlich gereizt. Immer Meetings, immer formal sein, irgendwie alles Fassade - so kam es mir vor. Dementsprechend motivationslos geht es zu der neuen Veranstaltung. Aber was ist das? Es ist eher eine Art Stadtteilfest, mit Kindermodenshow und Kindermalwettbewerb. Ich bin definitiv overdressed mit meinem Lehreroutfit! Ganze drei Lehrer plus Direktorin sind gekommen, aber die Situation ist entspannt, zwischendurch hole ich mir eine Cola und genieße die Stimmung - dank einer Österreicherin (!), die in einem traditionellen Kleid gekommen ist, muss ich kaum für Fotos herhalten... Nach der Veranstaltung beschließe ich, zu Fuß nach Hause zu gehen. Da Sonntag ist, sind die Straßen relativ leer und ich mache extra noch einen kleinen Schlenker, um noch ein bisschen zu laufen. Ich denke: Ach Gunungsitoli... du bist schon eine schöne Stadt! Die Gereiztheit ist verschwunden.

Ich wache auf und gucke auf meine Uhr. Bei uns ist es gerade 08:00 Uhr. Das bedeutet, dass meine Eltern schon seit fünf Stunden in der Luft sind. Morgen kommen sie an!
Ich springe aus dem Bett. Es gibt noch viel zu tun!

 

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