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Auszug aus "Das Freiwilligenleben der Anja Keil"

Autor: Anja | Datum: 24 März 2015, 08:13 | 1 Kommentare

Kapitel 5

Urlaub


Die Reifen quietschen, der Bus schwankt, dann steht er endlich. Meine rote Tasche wird den auf dem Dach sitzenden Männer gegeben, Ida und ich werden ins Innere befördert. Man hätte es nie gedacht, aber wir passen noch rein, irgendwie, dann müssen eben noch ein paar Männer auf das Dach klettern - während der Bus schon längst ächzend und gleichzeitig rasant die kurvige Straße nach Medan hinunterfährt. Das Schwanken und die Hitze wiegen mich schnell ein, ich lehne meinen Kopf an die Scheibe. Draußen zieht das Indonesien vorbei, das ich seit nun schon fünf Monaten kenne, vor meinem inneren Auge allerdings ein anderes - eine andere Art, Zeit in Indonesien zu verbringen.

Die Motoren röhren, das Flugzeug schwankt, dann landet es endlich. Etwas bleich, aber erleichtert, gucken Johanna und ich uns an. Wiebke ist währenddessen so aufgeregt darüber, dass sie wahrscheinlich Delfine gesehen hat, dass ihr der seltsam schwankende Flug nichts ausgemacht hat. Die Landebahn liegt direkt am Meer, Kuta-Beach ist in Sichtweite und dann wird es mir bewusst: Wir sind auf Bali!

Monatelang habe ich mich auf das Zwischenseminar und den anschließenden Urlaub mit den fünf anderen Indonesienfreiwilligen gefreut. Das Zwischenseminar liegt nun hinter uns, fünf tolle, ereignis- und lehrreiche Tage in Malang, in denen wir viel geredet, gelacht, gesungen und nachgedacht haben und es ist kaum zu glauben, wie schnell es umgegangen ist. Aber jetzt stehen mir noch zehn Tage Bali mit meinen Freunden bevor - auch was Schönes!

"Nirgendwo bin ich planloser angekommen auf Bali". Ich kann Liz Gilbert nur vollständig zustimmen, als wir aus dem Flughafengebäude treten. Es ist wie ein zweiter Kulturschock. Überall weiße Menschen, nackte Schultern, Taxifahrer, die einen belagern und als wir uns endlich (nach einer BURGERpause) für einen entschieden haben, ziehen während unserer Fahrt Plakate für amerikanische Produkte an uns vorbei. Wir wissen nicht, was vor uns liegt und genau diese Art zu reisen ist so reizvoll. Während unserer Rast im Burger King am Flughafen auf Bali haben wir uns erst einmal entschieden, wo wir überhaupt hinwollen.

Wir verbringen nur zwei Tage in Kuta, dann packen wir unsere Sachen wieder. Das nächtliche Wellenreiten war zwar genauso schön wie das europäische Abendessen im SkyGarden (Kartoffelbrei!), aber die Menge an Menschen und Touristen geht uns auf die Nerven. Irgendwie können wir uns nicht so mit den Leuten identifizieren, die im Bikini in den Supermarkt gehen und Bali für "ganz Indonesien" halten...

Also geht es spontan weiter nach Ubud. Das Hostel ist international, bunt und billig - also perfekt für uns. Wir machen uns auf den Weg zum Monkeforest, dem heiligen Affenwald in Ubud. Während zwei Affen auf Idas Rücken um eine Plastikflasche kämpfen, mich einer des Essensklaus beschuldigt und ziemlich eindrucksvoll anfaucht, kühlt die Luft ein wenig ab und die Kuta bedingte Hektik fällt spürbar von uns allen ab. Ubud ist eine Stadt, die komplett nach Räucherstäbchen riecht, in der Ida und ich eine traditionelle Massage genießen und wir fast komplett in Urlaubsstimmung geraten.

Aber eben auch nur fast. Das wechselnde Hostelleben und ständige Essengehen nagt nicht nur am Urlaubsgefühl, sondern erheblich an der Brieftasche. Also geht es für uns weiter nach Amed, in den Nord-Osten von Bali. Die dichten Häuser werden weniger, die weiße Haut auch. Die Plakate für KFC verschwinden und dafür werden mehr Warungs sichtbar. Und dennoch viele B&Bs, denn Amed ist berühmt für seine wunderschönen Schnorchelstellen. Wir entscheiden uns für ein sechs-Personen-Haus, 50 Meter vom Strand entfernt und beschließen, den Rest des Urlaubs hier zu bleiben.

Die Tage verschwimmen in einem Mix aus Schnorcheln, Pool, Live-Musik, Essen, "Kochen" (Toast...), einer wunderschönen Boatstour und dem krankheitsbedingten Geruch von Inhalationsgelagen. Viel zu schnell ist die Zeit vorbei. Schweren Herzens nehmen wir Abschied von unserem Heim und fahren zurück nach Kuta. Den letzten Abend essen wir wieder im SkyGarden, lauschen der Musik von draußen, besuchen kurz einen Partyfloor, setzen uns dann aber zusammen ans Meer, gucken uns den Sonnenuntergang an und unterhalten uns. Nicht weit entfernt sehen wir, wie Flugzeuge starten und an verschiedenen Stellen des roten Himmels eintauchen, um dann aus unserem Blickfeld zu verschwinden...

Der Fahrer hupt, dann höre ich "Anja!". Ich blicke von meinem Buch auf und sehe, wie meine Mentorin auf mich zu kommt. Ich bin vor einigen Minuten auf Nias gelandet, nachdem ich die letzten zwei Tage noch bei Ida in der Nähe von Medan verbracht habe. Die Ankunft auf Nias habe ich mit gemischten Gefühlen erlebt. Einerseits ist mir vieles schon vertraut, andererseits fehlen mir die anderen jetzt schon. Vor mir liegen allerdings noch fünf ereignisreiche Monate: Der Besuch meiner Eltern, einen Monat in Teluk Dalam (Süden Nias), ein Besuch in Malang und viele Veranstaltungen der Kirche stehen auf dem Plan. Aber jetzt erst einmal Wäsche waschen.

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Kommentare

  1. 1. Mama  |  24 März 2015, 13:37

    Toll! Ich würde gerne auch Kapitel 1-4 und die nachfolgenden 247 Kapitel lesen... :-)

    Danke für die stimmungsvollen Eindrücke!

 

 

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